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Zeit seines Lebens war Inglin ein leidenschaftlicher Leser. Melchior Reichmuth, der in "Ingoldau" aus der unbefriedigenden Realität zu den Indianern Karl Mays flüchtet und sich selber in die Geschichte hineinträumt oder am Kollegium im Schatten endloser Zahlenreihen Gottfried Keller liest, ist in dieser Hinsicht nicht weniger autobiographisch als Werner Amberg, wenn er sich auf der Fahrt ins Palace Hotel am Bahnhof ein Reclam-Bändchen mit Lenau-Gedichten kauft und auf dem Rückweg "Werke von Eichendorff, Heine, Mörike und eine Literaturgeschichte". Inglin selber hat sich überdies trotz der anstrengenden Arbeit im Hotel von zuhause immer wieder Bücher nach Caux schicken lassen, neutral verpackt, um nicht ausgelacht zu werden. Ausgedehnte Lektüre gehörte in den folgenden Jahren zu seinen Studien, und nach seiner Rückkehr in den "Grund" pflegte er nachmittags zu lesen, wenn er am Morgen geschrieben hatte. Seine umfassende Bibliothek ist heute als Ganzes in der Schwyzer Kantonsbibliothek integriert.

Die literaturkritischen Äusserungen in den "Notizen des Jägers", eine Auswahl, die Inglin selber aus einem noch viel umfangreicheren Material getroffen hat, zeigen das beeindruckende Spektrum seiner Lektüre und sein unbestechliches, aber nie einseitiges Urteil, das sich auch in den drei Jahren bewährt hat, in denen er in der Jury des "Charles-Veillon-Preises für den deutschsprachigen Roman" mitwirkte.

1956 gibt er diese Tätigkeit auf: "Ich habe eine Anzahl wichtiger Werke der Weltliteratur noch nicht oder nicht zur rechten Zeit gelesen und möchte das nachholen; da ich zugleich meine Augen schonen sollte, bleibt mir kaum etwas anderes übrig, als auf jede nicht notwendige Lektüre zu verzichten." Die "notwendige Lektüre" dagegen, von Tolstoi bis zu den Geschichten aus "Tausendundeine Nacht", von der Bibel bis zum Dschungelbuch, setzt er bis zu seinem Lebensende fort.