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Er habe "diese alten Geschichten nicht zu erbaulichen Zwecken neu erzählt", äussert sich Inglin zu seiner Sicht der Gründungssagen der Eidgenossenschaft in "Jugend eines Volkes"; "lehrhafte, patriotische oder andere undichterische Absichten" seien dabei nicht im Spiel gewesen.

Entscheidend sind also rein künstlerische Gründe; der Mythos gehört - zusammen mit den eigengesetzlichen Welten des Kindes, der Märchen, der Fasnacht oder der Jagd - zu den wenigen Bereichen menschlichen Lebens, in denen sich die dichterische Imagination frei entfalten kann.

Inglins historische Gewissenhaftigkeit hindert ihn freilich daran, diesen Freiraum voll auszuschöpfen; unversehens gerät er spätestens bei der Schlacht am Morgarten in die Zwänge der verbürgten Überlieferung mit den genauen Angaben über "das Gelände mit seinen taktischen Möglichkeiten, Schlachtverlauf, Bewaffnung, Zahl und Art der Gegner", über die er sich nicht hinwegsetzen kann und will.

In den vorangehenden Kapiteln allerdings gestaltet er die Vorgeschichte nach seinen eigenen Bedürfnissen, nicht als Voraussetzungen zu einem glorreichen Finale, sondern als eigenständige Stufen einer nie abgeschlossenen Entwicklung, in deren Zentrum immer wieder der Mensch steht.

In ähnlicher Weise greift er mündlich überlieferte Sagenmotive auf und lässt sie aus seinen erdichteten Landschaften herauswachsen; die "vorgeschichtliche Dämmerung" erlaubt ein Höchstmass an gestalterischer Freiheit, das sich Inglin im kontrollierbaren Bereich der Gegenwart versagt und das es ihm ermöglicht, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

"Hier war mir frisch und anfänglich zumute, ich atmete eine unverbrauchte Luft, ich ging, wo noch niemand gegangen war": Inglin, dessen genaue Literaturkenntnis ihn im Alter zur Äusserung veranlasste, Dichten heisse mehr und mehr nur noch vermeiden, hat hier einen "weissen Fleck auf der Landkarte" gefunden.