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Das Bild des einsamen Dichters, der vom Rand der Gesellschaft aus das Leben beobachtet, stimmt nur zum Teil. Die Isolation des Schreibenden verlangt nach einem Gegengewicht; damit ihm nicht "die Gespenster noch in die Nacht hinein" nachlaufen, braucht er ein Mindestmass an Geselligkeit.

Vor "Ingoldau" scheint sich diese im grösseren Kreis abgespielt zu haben mit einem Schwerpunkt im "Maihof" bei der Familie seines Freundes Albert Gemsch; damals galt Inglin, der zwar selber von seiner "mangelnden Schlagfertigkeit" spricht, als geistreicher Gesprächspartner und ausgezeichneter Tänzer und bewegte sich auch unter der Jeunesse dorée mit seiner gewohnten komfortablen Eleganz. Später meidet er gesellschaftliche Anlässe und findet die notwendige Erholung im Wirtshaus ("... und gegen elf Uhr tobt sich meine zurückgestaute Lebenslust vor einem Dreier oder zwei Zweiern beim Zeitungslesen oder Jassen bis Mitternacht aus...") oder bei Freunden.

Zur Freundschaft war Inglin dank seiner Aufgeschlossenheit und Liberalität in hohem Masse befähigt. Seine ausgedehnten Korrespondenzen zeigen ein Netz von vielfältigen Beziehungen, die Jahrzehnte überdauern konnten (etwa zu Berner Studienkollegen wie dem Aargauer Lehrer Nicolo Giamara oder dem Dichter Hermann Hiltbrunner); Inglins Ortsgebundenheit brachte es freilich mit sich, dass der regelmässige persönliche Austausch denen vorbehalten blieb, die in der gleichen Region lebten. Dank Bettinas verwandtschaftlichen und beruflichen Fäden nach Zürich hatten es auch die dortigen Freunde (von Walter Mertens und Leo Leuppi bis zu Traugott Vogel und Emil Staiger) in dieser Hinsicht etwas leichter.

Dass nicht nur die verschiedensten Schichten und Berufsgattungen, sondern auch ganz unterschiedliche Altersstufen in Inglins engstem Kreis vertreten sind, ist ein weiterer Beweis für seine freundschaftliche Offenheit, die sich bis in die letzten Jahre und trotz zunehmender Schwerhörigkeit auch seinen jüngeren Kollegen gegenüber immer wieder bewährte.